|
Nach seiner Emigration nach Mexico im Jahre 1940
lebte Nancarrow mehrere Jahre in einem Apartment am Zocalo, einem der größten
und belebtesten Plätze von Mexico City. Über seine Lebensumstände in
diesem Zeitraum ist nur wenig bekannt. Um 1945 lernte Conlon die bildende
Künstlerin Annette Margolis kennen, eine weltgewandte, gutaussehende und
wohlhabende Frau, die sich kurz zuvor von ihrem zweiten Ehemann getrennt
hatte. Annette hatte drei Kinder – eine Tochter, Cherry, mit ihrem ersten Mann
(die meistens bei ihrem Vater lebte) sowie zwei Söhne aus ihrer
zweiten Ehe, Charles und Luis, die meistens bei ihrer Mutter lebten (auch
während der Zeit als Conlon und Annette verheiratet waren).
Annette pflegte engen Kontakt zu den bedeutendsten
Malern in Mexico, insbesondere zu den ‘großen Drei’ der mexikanischen
Revolutionsmalerei: Diego Rivera (1886-1957), David Alfaro Siqueiros
(1866-1974?) und José Clemente Orozco (1883-1949).
Auch zur Musikszene hatte sie engen Kontakt. So
schreibt sie über einen Besuch in New York: "Wir besuchten eines Abends
auch John Cage in seinem Dachappartement in der East Village. Es war
ziemlich kahl, mit großen Räumen, wenig Stühlen, einem Tisch, einer
Bank und zwei Flügeln. Ich glaube, ich war die einzige Frau in diesem
Raum. Ich traf Henry Cowell, Virgil Thompson, Elliott Carter, Aaron
Copland und andere bekannte Komponisten. Sie diskutierten über
Neuerungen, Veränderung der Klavierklänge, indem sie Münzen zwischen
die Saiten klemmten. Es war ein faszinierender Abend. Sie fachsimpelten alle. Wir
nahmen einige Drinks oder Sodas und blieben bis spät in die Nacht. ".
Die Trauung von Conlon und Annette fand am 4.
Februar 1947 im Rathaus von Manhattan N.Y. statt. Trauzeuge war Bill
Davis, ein Freund Nancarrows, der auch mit Ernest Hemingway und Peggy
Guggenheim befreundet war.
Die Ehe war allerdings nicht von langer Dauer: Am 22.7.1953 ließen sich Annette und Conlon scheiden. Sie
blieb
aber bis zu ihrem Tod freundschaftlich mit Conlon verbunden und nahm nach der
Trennung von ihrem vierten Ehemann wieder den Namen Nancarrow an.
Annette
starb am 9. Januar 1992 in New York. Conlons
Weg hatte sich mit dem einer wahrhaft bemerkenswerten Frau gekreuzt.
Annette hat
dem Autor dieser Website in zwei „Memories“ ausführlich über ihr
Leben und ihre gemeinsame Zeit mit Conlon berichtet. Diese Ausführungen
sind - neben den Briefen ihres Sohnes Luis - die einzige authentische Quelle zu Conlons Lebensumständen
zwischen 1945 und 1952. Sie enthalten zudem eine Vielzahl an
Hintergrundinformationen zu dem damaligen Zeitgeschehen in Mexico. Darüber
hinaus geben sie Auskunft über das Leben einer außergewöhnlichen Frau,
deren Bilder heute in bedeutenden Museen zu sehen sind. Damit diese
Informationen zugänglich werden und nicht verloren gehen, habe ich
mich entschlossen – in Absprache mit Annettes Söhnen – die
„Memories“ in englischer Sprache nahezu ungekürzt und
auszugsweise in deutscher Übersetzung auf dieser Website zu publizieren. Zudem
werden Anaïs Nins
Tagebuchaufzeichnungen auszugsweise wiedergegeben.
|