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Raoul Mörchen meinte in
‚Resonanzen’, WDR III:
Einen
Erlebnisbericht nennt Hocker sein Nancarrow-Buch, und als einen solchen muss man
es akzeptieren: geschrieben aus der Nähe eines Fans, nicht der Distanz eines
Wissenschaftlers... Bis zu Nancarrows Tod vor fünf Jahren war er einer seiner
engsten Vertrauten, ein Eckermann, wie sich ein Komponist keinen besseren wünschen
konnte. Hockers "Begegnungen mit Nancarrow" vermögen [...] einen
unterhaltsamen und ertragreichen Einblick zu geben nicht nur in die letzten
Jahre des Komponisten, sondern, mit Hilfe gut platzierter Rückblicke, ein
ganzes Leben zu rekapitulieren - das Leben eines stolzen Einzelgängers, der
sich wenig um die Meinung anderer scherte, der nach Mexiko auswanderte, als er
sich von seinem Heimatland USA schlecht behandelt fühlte, sich vor der Öffentlichkeit
verbarg und im Stillen endlich erreichte, was er sich so lange schon gewünscht
hatte. Nämlich mit Hilfe automatischer Klaviere unabhängig zu werden von
anderen Menschen - von Interpreten, die seine rhythmisch so komplexe Musik
entweder schlecht oder gar nicht spielten, unabhängig wohl aber auch von der
Gunst oder Missgunst eines Publikums.
Konrad Heidkamp in ‚DIE ZEIT’
vom 12. Dezember 2002:
Der Komponist und Eigenbrötler
Conlon Nancarrow hat mit seinen vertrackten Stücken für mechanisches Klavier
einen wesentlichen Beitrag zur Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts geleistet.
Durch ein neues Buch und wieder veröffentlichte DCs wird er jetzt zum zweiten
Mal entdeckt... Man kann Jürgen Hockers Buch schlendernd lesen, auf Nebenstraßen
Kundschaftern wie René Block oder Monika Fürst-Heidtmann begegnen, György
Ligeti, der ihn unermüdlich und uneigennützig in Europa preist („die größte
Entdeckung seit Webern und Ives“), auf Charles Amirkhanian treffen... Die Welt
des genießenden und hoch gebildeten Einsiedlers öffnet sich bis in private
Winkel seiner drei Ehen, und doch bleibt er am Ende so freundlich bedeckt wie
seine staubüberzogenen Bücher, die Notenblätter und Zeitungsstapel, diese
sorgsam gepflegte Unordnung, die er in der Innenwelt seines Exils pflegt.
György Ligeti:
Für mich ist Nancarrow einfach
der bedeutendste Komponist, der heute lebt. Er hat etwas total Originelles
gemacht. Etwas total Andersartiges als alle anderen Leute, auf höchstem Niveau,
auf dem Niveau von Johann Sebastian Bach oder den späten Beethovenwerken.
Meret Forster in ‚Musik
Aktuell’ am 11.12.2002,
Bayrischer Rundfunk, Bayern 4 Klassik:
Hocker ist Nancarrow 1987
erstmals begegnet, beim Holland Festival in Amsterdam, und hat sich wie kaum ein
anderer für die Verbreitung seiner Musik eingesetzt. So war es durch seinen
Erwerb und die Restaurierung eines alten Selbstspielflügels erstmals möglich,
Nancarrows Musik in Konzerten auf einem Originalinstrument aufzuführen, und Jürgen
Hocker begleitete den vor fünf Jahren verstorbenen Komponisten mit diesem
Instrument auf mehreren Konzertreisen bis in die 90er Jahre. Bei den zahlreichen
Begegnungen stellte sich zwischen Autor und Komponist ein freundschaftliches
Vertrauen ein. Hocker hat Nancarrow mehrmals in seinem Studio in Mexico besucht,
Stücke, Skizzen und Arbeitsmaterialien dokumentiert und somit ein verborgenes
Lebenswerk in die Öffentlichkeit gebracht.... Angereichert mit Fotos,
Werkverzeichnis, Register, Diskographie und einer CD mit zum Teil unveröffentlichten
Aufnahmen bieten die Aufzeichnungen von Jürgen Hocker eine kompetente Einführung
in das Werk eines musikalischen Einzelgängers, vor allem aber sind sie ein
vielseitiges Lesevergnügen, nicht nur für Fachleute.
Martin Demmler in ‚Musikjournal’,
DLF:
Hocker gelingt eine
eindrucksvolle Charakterstudie dieses leicht verschrobenen Komponisten, der die
Öffentlichkeit eher scheute und erst in hohem Alter zu Ansehen und breiterer
Anerkennung kam. Das ist das Pfund, mit dem seine Darstellung wuchern kann. Es
ist ein sehr persönliches Buch... Im Mittelpunkt steht immer die Person
Nancarrow und diesbezüglich wird man bei der Beschäftigung mit dem Leben
dieses Komponisten an der Darstellung Hockers in Zukunft nicht mehr vorbei
kommen.
Peter Niklas Wilson in ‚Neue Zürcher Zeitung’
vom 19. November 2002:
‚Begegnungen mit Nancarrow’
nennt Hocker bescheiden seine Chronik seiner Kooperation mit dem Komponisten und
macht damit sogleich klar, dass er weder den Anspruch einer umfassenden
Nancarrow-Biographie noch den einer fundierten musikalischen Analyse erhebt.
Doch auch wenn Hockers literarisch unambitioniertes Tagebuch der zahlreichen
Begegnungen mit Nancarrow und dessen Frau Yoko das Gerüst des Buchs bildet, so
hat der getreue Chronist noch weit mehr geleistet. In langjähriger Recherche,
in Gesprächen mit Nancarrows Ex-Ehefrauen und seinem Bruder, mit Kollegen und
Bekannten hat Hocker eine beeindruckende Anzahl biographischer Fakten und
authentischer Zeugnisse versammelt, die sich zu einem detailscharfen Bild
runden... Nebenbei erfährt der Leser vieles über Nancarrows
Komponisten-Handwerk an der Stanzmaschine, und zahlreiche unveröffentlichte
Fotos aus den Jahren der Isolation vermitteln einiges von der Atmosphäre dieser
‚splendid isolation’, aus der sich Nancarrow scheinbar nur widerwillig
herausreißen ließ. Nicht zu vergessen die beiliegende CD, die nicht nur einen
exzellenten Überblick über Nancarrows Oevre für Player Piano bietet, sondern
auch einige Preziosen aus den Pionierjahren des Selbstspielklaviers enthält. |