Rezensionen zur Monographie

 "Begegnungen mit Nancarrow"

von  Jürgen Hocker

          Raoul Mörchen

          Konrad Heidkamp,

          Meret Forster

          Martin Demmler

          Peter Niklas Wilson

          György Ligeti

 

Raoul Mörchen meinte in ‚Resonanzen’, WDR III:

Einen Erlebnisbericht nennt Hocker sein Nancarrow-Buch, und als einen solchen muss man es akzeptieren: geschrieben aus der Nähe eines Fans, nicht der Distanz eines Wissenschaftlers... Bis zu Nancarrows Tod vor fünf Jahren war er einer seiner engsten Vertrauten, ein Eckermann, wie sich ein Komponist keinen besseren wünschen konnte. Hockers "Begegnungen mit Nancarrow" vermögen [...] einen unterhaltsamen und ertragreichen Einblick zu geben nicht nur in die letzten Jahre des Komponisten, sondern, mit Hilfe gut platzierter Rückblicke, ein ganzes Leben zu rekapitulieren - das Leben eines stolzen Einzelgängers, der sich wenig um die Meinung anderer scherte, der nach Mexiko auswanderte, als er sich von seinem Heimatland USA schlecht behandelt fühlte, sich vor der Öffentlichkeit verbarg und im Stillen endlich erreichte, was er sich so lange schon gewünscht hatte. Nämlich mit Hilfe automatischer Klaviere unabhängig zu werden von anderen Menschen - von Interpreten, die seine rhythmisch so komplexe Musik entweder schlecht oder gar nicht spielten, unabhängig wohl aber auch von der Gunst oder Missgunst eines Publikums.

Konrad Heidkamp in ‚DIE ZEIT’ vom 12. Dezember 2002:

Der Komponist und Eigenbrötler Conlon Nancarrow hat mit seinen vertrackten Stücken für mechanisches Klavier einen wesentlichen Beitrag zur Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts geleistet. Durch ein neues Buch und wieder veröffentlichte DCs wird er jetzt zum zweiten Mal entdeckt... Man kann Jürgen Hockers Buch schlendernd lesen, auf Nebenstraßen Kundschaftern wie René Block oder Monika Fürst-Heidtmann begegnen, György Ligeti, der ihn unermüdlich und uneigennützig in Europa preist („die größte Entdeckung seit Webern und Ives“), auf Charles Amirkhanian treffen... Die Welt des genießenden und hoch gebildeten Einsiedlers öffnet sich bis in private Winkel seiner drei Ehen, und doch bleibt er am Ende so freundlich bedeckt wie seine staubüberzogenen Bücher, die Notenblätter und Zeitungsstapel, diese sorgsam gepflegte Unordnung, die er in der Innenwelt seines Exils pflegt.

György Ligeti:

Für mich ist Nancarrow einfach der bedeutendste Komponist, der heute lebt. Er hat etwas total Originelles gemacht. Etwas total Andersartiges als alle anderen Leute, auf höchstem Niveau, auf dem Niveau von Johann Sebastian Bach oder den späten Beethovenwerken.

Meret Forster in ‚Musik Aktuell’ am 11.12.2002, Bayrischer Rundfunk, Bayern 4 Klassik:

Hocker ist Nancarrow 1987 erstmals begegnet, beim Holland Festival in Amsterdam, und hat sich wie kaum ein anderer für die Verbreitung seiner Musik eingesetzt. So war es durch seinen Erwerb und die Restaurierung eines alten Selbstspielflügels erstmals möglich, Nancarrows Musik in Konzerten auf einem Originalinstrument aufzuführen, und Jürgen Hocker begleitete den vor fünf Jahren verstorbenen Komponisten mit diesem Instrument auf mehreren Konzertreisen bis in die 90er Jahre. Bei den zahlreichen Begegnungen stellte sich zwischen Autor und Komponist ein freundschaftliches Vertrauen ein. Hocker hat Nancarrow mehrmals in seinem Studio in Mexico besucht, Stücke, Skizzen und Arbeitsmaterialien dokumentiert und somit ein verborgenes Lebenswerk in die Öffentlichkeit gebracht....  Angereichert mit Fotos, Werkverzeichnis, Register, Diskographie und einer CD mit zum Teil unveröffentlichten Aufnahmen bieten die Aufzeichnungen von Jürgen Hocker eine kompetente Einführung in das Werk eines musikalischen Einzelgängers, vor allem aber sind sie ein vielseitiges Lesevergnügen, nicht nur für Fachleute.

Martin Demmler in ‚Musikjournal’, DLF:

Hocker gelingt eine eindrucksvolle Charakterstudie dieses leicht verschrobenen Komponisten, der die Öffentlichkeit eher scheute und erst in hohem Alter zu Ansehen und breiterer Anerkennung kam. Das ist das Pfund, mit dem seine Darstellung wuchern kann. Es ist ein sehr persönliches Buch... Im Mittelpunkt steht immer die Person Nancarrow und diesbezüglich wird man bei der Beschäftigung mit dem Leben dieses Komponisten an der Darstellung Hockers in Zukunft nicht mehr vorbei kommen.

Peter Niklas Wilson in ‚Neue Zürcher Zeitung’ vom 19. November 2002:

‚Begegnungen mit Nancarrow’ nennt Hocker bescheiden seine Chronik seiner Kooperation mit dem Komponisten und macht damit sogleich klar, dass er weder den Anspruch einer umfassenden Nancarrow-Biographie noch den einer fundierten musikalischen Analyse erhebt. Doch auch wenn Hockers literarisch unambitioniertes Tagebuch der zahlreichen Begegnungen mit Nancarrow und dessen Frau Yoko das Gerüst des Buchs bildet, so hat der getreue Chronist noch weit mehr geleistet. In langjähriger Recherche, in Gesprächen mit Nancarrows Ex-Ehefrauen und seinem Bruder, mit Kollegen und Bekannten hat Hocker eine beeindruckende Anzahl biographischer Fakten und authentischer Zeugnisse versammelt, die sich zu einem detailscharfen Bild runden... Nebenbei erfährt der Leser vieles über Nancarrows Komponisten-Handwerk an der Stanzmaschine, und zahlreiche unveröffentlichte Fotos aus den Jahren der Isolation vermitteln einiges von der Atmosphäre dieser ‚splendid isolation’, aus der sich Nancarrow scheinbar nur widerwillig herausreißen ließ. Nicht zu vergessen die beiliegende CD, die nicht nur einen exzellenten Überblick über Nancarrows Oevre für Player Piano bietet, sondern auch einige Preziosen aus den Pionierjahren des Selbstspielklaviers enthält.

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